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Expo Real: Unternehmen für digitale Zukunft fitmachen

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Interview mit Andreas Ibel, Präsident BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V.

04.10.2017

Cloud-Services, BIM, Big Data - digitale Lösungen spielen in fast allen Teilbereichen der Immobilien- und Wohnungswirtschaft eine zunehmend wichtigere Rolle. Mit einem neuen Digitalisierungsbeirat will der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) seine Mitglieder bei diesen Themen aktiv unterstützen.

 - Andreas Ibel, Präsident BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V.
© BFW
Andreas Ibel, Präsident BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V.

Herr Ibel, die Digitalisierung ist ein wichtiges Thema für Immobilien- und Wohnungsunternehmen. Wie ist die Branche hier aktuell aufgestellt?
Wie wir hier auf der Messe sehen, ist das Thema derzeit allgegenwärtig. Fast alle Teilbereiche unserer Branche beschäftigen sich mit digitalen Lösungen oder bringen neue Innovationen auf den Markt. Wie auch in anderen Branchen sind manche Unternehmen bei der Umsetzung digitaler Lösungen schon sehr weit, andere stecken noch in den Kinderschuhen.
Hier setzt der BFW als Vertreter der mittelständischen Immobilienbranche an. Wir wollen die Unternehmen mitnehmen und fitmachen für die digitale Zukunft. Dazu schaffen wir ein Netzwerk aus unterschiedlichen Akteuren und bilden eine Brücke zwischen Industrie und Mittelstand, damit sich die Unternehmen austauschen und voneinander lernen können.

Welche Herausforderungen sind darüber hinaus zu meistern?
Unsere mittelständischen Mitgliedsunternehmen sind für 50 Prozent des Wohnungs- und 30 Prozent des Gewerbeneubaus zuständig. Wir wollen erreichen, dass sie alle die Chance haben, langfristig von der Digitalisierung zu profitieren.
Die Herausforderungen reichen dabei von der Umsetzung interner Prozesse und technologischen Lösungen im Gebäude bis hin zur Ausstattung der Unternehmen mit entsprechenden Fachkräften und der IT zur Umsetzung. Gerade die Qualifikation der Arbeitnehmer sehen wir als eine der größten Herausforderungen für unsere Unternehmen an. Hier muss die Branche langfristig deutlich mehr investieren! Nicht zuletzt wird die Unternehmenskultur einen immer wichtigeren Einfluss auf die Fachkräftegewinnung haben.

Um die Mitgliedsunternehmen auf dem Weg zur „Immobilienwirtschaft 4.0“ zu unterstützen, hat der BFW einen Digitalisierungsbeirat gegründet. Welche konkreten Ziele verfolgt das neue Gremium?
Wir sind sehr froh, dass wir namhafte Unternehmen wie BOSCH, Vattenfall, die Deutsche Kreditbank AG (DKB) und T-Systems als Partner für den Beirat gewinnen zu konnten. Gemeinsam mit unseren mittelständischen BFW-Mitgliedsunternehmen wie BAUWENS, Dornieden, KIWOBAU, Drees&Sommer, Interboden und dem Start-up Animus werden sie im Beirat neue Trends und Technologien bewerten. Diese branchenübergreifende Bündelung von Know-How sehen wir als Schlüssel für die erfolgreiche Digitalisierung von Unternehmen! Zusammen wollen wir Chancen, aber auch Risiken der digitalen Transformation entlang der gesamten Immobilienwertschöpfungskette aufzeigen und Empfehlungen geben, welche Technologien, Prozesse und Strukturendabei richtungsweisend sein können.

Welche Themen stehen im Mittelpunkt?
Der Themenrahmen bildet den kompletten Lebenszyklus eines Gebäudes ab, also die Kette „entwickeln, bauen und erhalten“. In diesem Zusammenhang wird eine breite Palette an Themen wie Datenschutz, Cloud-Services, BIM, Big-Data, aber auch Finanzierung, Fachkräftebedarf bis hin zur technischen Interoperabilität in Quartieren analysiert. Wir orientieren uns dabei eng an den Arbeitsbereichen, mit denen sich unsere Unternehmen hauptsächlich beschäftigen. Wir wollen schließlich keine wissenschaftlichen Abhandlungen erstellen, sondern uns an der Praxistauglichkeit für unsere Unternehmen orientieren. Deshalb ist die transparente Arbeit und die enge Einbindung unserer Mitglieder in den Beirat essenziell.

Der Beirat will konkrete Empfehlungen geben und Digitalisierungsstrategien für die Mitgliedsunternehmen entwickeln. Wie könnten diese aussehen?
Erst einmal wollen wir die Unternehmen für Themen rund um die Digitalisierung sensibilisieren. Wie detailliert die Empfehlungen am Ende aussehen werden, richtet sich nach den konkreten Bedarfen der mittelständischen Immobilienwirtschaft. Schließlich geht es uns nicht darum, möglichst viel Papier zu produzieren. Deshalb steht vor einer Bewertung von Prozessen erst die detaillierte Analyse der Treiber und der Prozesse.

Welche Chancen, aber auch welche Gefahren – etwa mit Blick auf Datenschutzaspekte – birgt die Digitalisierung mittel- bis langfristig für Ihre Mitgliedsunternehmen?
Anstelle von „Gefahren“ möchten wir lieber von „Herausforderungen“ reden. Und Herausforderungen sind lösbar. Damit kennen sich die Mittelständler aus! Bei vielen Themen wie etwa dem Datenschutz gibt es noch ungeklärte Fragen. Sicher ist aber, dass unsere Unternehmen gegenüber ihren Kunden und Mietern ein hohes Vertrauen genießen. Unternehmens- und Mieterdaten sind sensible Daten, mit denen nach einheitlichen Richtlinien umgegangen werden muss. Diese müssen klarer definiert werden! Ein zu eng gesteckter Datenschutz kann aber neue Innovation verhindern. Hier ist das Maß entscheidend.

Auf der Expo Real präsentiert sich der BFW in Halle B2 mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland BID am Stand 220. Welche weiteren Schwerpunkte setzen Sie in diesem Jahr in München?
Wir werden alle Aspekte diskutieren, die die Branche bewegen. Dazu gehören die Bildung von Wohneigentum, die Rolle der Immobilienwirtschaft in der Klimaschutzpolitik, die sich verknappenden Büroflächen in den Metropolen sowie neue Finanzierungstrends.
Zudem konnte die BID das Bundesbauministerium erneut als Standpartner gewinnen. Ein weiteres großes Thema wird sich also darum drehen, welche Immobilienpolitik die neue Bundesregierung verfolgen wird. Klar ist jedenfalls, dass es ein „Weiter so“ nicht geben darf – das wird der BFW auch mit Nachdruck deutlich machen!