Samstag, 16. Dezember 2017
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Lektüre to-go mit dem Smartphone-Gestell

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Forscher und Bastler entwickeln Lesehilfe aus 3D-Drucker für sehbehinderte Menschen

02.10.2017

Im Projekt VRread hat das Fraunhofer IPA zusammen mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Württemberg e. V. (BSV-W), einem Industriepartner und der Maker-Bewegung ein Aufnahmegestell zum Ausdrucken und eine Leseapplikationssoftware für ein Android-basiertes Smartphone entwickelt.

 - Das Lesegestell ähnelt einer Taucherbrille.
© Universität Stuttgart IFF / Fraunhofer IPA, Rainer Bez
Das Lesegestell ähnelt einer Taucherbrille.

Bastler aus der Maker-Szene, die kreative Lösungen zu technischen Herausforderungen aus dem Alltag entwickeln, arbeiteten eng mit Sehbehinderten zusammen. Die Daten stehen zum Download frei zur Verfügung. Zeitung überall lesen zu können, ist für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit. Hochgradig sehbehinderte Menschen haben damit ein Problem. Viele sind auf stationäre Kamerasysteme angewiesen, mobile Lesehilfen sind nur sehr eingeschränkt verfügbar. An großen Bildschirmen führt für sehbehinderte Menschen kaum ein Weg vorbei. Platziert man jedoch einen kleinen Bildschirm besonders nahe vor dem Auge, entsteht ein weites Sichtfeld.

Hier liegt der Ansatz von VRread. Im Mittelpunkt von VRread steht eine angepasste Aufnahmevorrichtung. Hinzu kommt eine Leseapplikation für das Smartphone des Nutzers. Mit der an die individuelle Sehbeeinträchtigung angepassten Aufnahmevorrichtung wird das Smartphone entsprechend nah vor dem Auge platziert. Große in der Aufnahmevorrichtung integrierte Linsen fokussieren das Bild auf die kurze Distanz für den Nutzer. So eröffnet das Smartphone die Möglichkeit, in ein digitales Dokument einzutauchen und wird damit zur individuellen Lesehilfe für sehbehinderte Menschen. Dabei wird die integrierte Gyrosensorik zur Lageerkennung im Smartphone von der entwickelten VRread-Leseapplikation zur Steuerung und Navigation auf dem digital erfassten Dokument verwendet. Auf dem Smartphone vorhandene Dokumente können damit in einem völlig neuem Kontext und optimalem Seheindruck einfach und überall gelesen werden. Im Hauptmenü kann der Nutzer einmal vorab seine idealen Einstellungen wie Schriftgröße und Kontrast einstellen. Eine zuschaltbare Leselinie erleichtert die Navigation auf dem Dokument zusätzlich.

Die Software selbst unterteilt sich in verschiedene Module. Das Steuermodul erfasst die Kopfbewegungen und ist in der Lage, diese in Steuerinformationen zu übersetzen. Aus der Datenquelle des Textdokumentes wird im zweiten Modul eine nutzbare Textur erstellt. Diese Textur wird in einem zweistufigen Prozess auf dem Bildschirm ausgegeben. Alle Module wurden unter Berücksichtigung einer späteren Erweiterbarkeit entworfen. Mit Hilfe der eigenen Parameter, zum Beispiel des individuellen Augenabstands, kann das Aufnahmegestell via 3D-Druck bei einem Anbieter von photonischen 3D-Druckverfahren auf Onlineplattformen kostengünstig bestellt werden.